Archiv der Kategorie: Drama

This Must Be The Place (2011)

„My life is just fine“, sagt er in einem Tonfall, der es schwierig macht zu entscheiden, ob er sich genau das einzureden versucht oder wirklich davon überzeugt ist. Denn Cheyenne, von Sean Penn denkwürdig bis preisverdächtig verkörperter Protagonist in Paolo Sorrentinos Not-quite-Roadmovie THIS MUST BE THE PLACE, mangelt es nicht an Grund zum Trübsinn, den er am Liebsten mitsamt seinen widerspenstigen Haarstränen aus seinem Blickfeld pusten würde, während eine geradezu kindliche Verletzbarkeit aus seinem Robert-Smith-like bleich geschminkten Gesicht in die Kamera starrt. Doch der alternde Rockstar im Ruhestand hat eine Aufgabe, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben: Er muss einen untergetauchten Nazi-Kriegsverbrecher finden. Weiterlesen


Melancholia (2011)

Die Welt geht unter, das Licht an und ein Raunen durch den Saal. Ich habe noch nie eine auch nur annähernd so merkwürdige Stimmung in bzw. nach einer Kinoverführung erlebt; als hätte das Publikum beinahe Angst, wieder in die graue Wirklichkeit entlassen zu werden, die uns Dänemarks Enfant terrible Lars von Trier mit seinem Film gewordenen Nihilismus MELANCHOLIA gerade so herrlich madig gemacht hat, und tatsächlich fällt es schwer, wieder zum Alltag überzugehen, ohne dabei ständig die überwältigenden Bilder vor Augen zu haben, die von Triers ansonsten durchaus streitbares Machwerk mit sich bringt. Weiterlesen


Game of Thrones – Season 1

Ich habe bisher selten großes Interesse an den Tag gelegt, galt es, den Entstehungsprozess eines Filmes oder einer Serie zu verfolgen; sollte das Endprodukt doch für sich sprechen. Eine Einstellung, die sich für die HBO-Produktion GAME OF THRONES nicht aufrecht erhalten ließ, immerhin bin ich bekennender Anhänger der Vorlage „A Song of Ice and Fire“ aus der Feder des Amerikaners George R.R. Martin, der in bisher vier Bänden auf großartige Weise historischen Realismus und Charakterdrama mit phantastischen Elementen zu verbinden verstand. Nicht umsonst wird die Reihe oft als einer der besten Vertreter des Genres gehandelt. Entsprechend groß waren die Erwartungen an die Produzenten Benioff und Weiss sowie ihren illustren Cast. Weiterlesen


Trailer: Sympathy for Delicious

Ihr kennt Mark Ruffalo wahrscheinlich aus ZODIAC oder SHUTTER ISLAND, zuletzt war er in THE KIDS ARE ALL RIGHT vor der Kamera zu sehen (und gewann diverse Preise). Für SYMPATHY FOR DELICIOUS stellt er sich auch dahinter, um die Geschichte eines querschnittsgelähmten DJs (Christopher Thornton) zu erzählen, der die Gabe besitzt, jeden Menschen zu heilen – außer sich selbst. Trotz Applaus in Sundance (Special Jury Price für Regisseur Buffalo) und großer Namen (Orlando Bloom, Juliette Lewis) ging SYMPATHY FOR DELICIOUS in den USA wohl irgendwie unter; angeblich soll er es im Herbst in die deutschen Kinos schaffen. Nach mehrfacher Sichtung des Trailers sage ich: Wäre schade, wenn nicht. Weiterlesen


Trailer: Norwegian Wood

… und dann merkst du, dass du in der Zukunft angekommen bist, wenn du von einem ersehnten neuen Film zuerst durch Facebook-Ads erfährst. Zugegeben, NORWEGIAN WOOD (NORUWEI NO MORI) erschien in Japan schon Ende letzten Jahres, also sogar bevor ich dessen Romanvorlage las. Die spielt im Tokio der späten Sechziger, Schauplatz von Studentenunruhen und Heimat des jungen Toru, der, nachdem sein bester Freund Kizune sich umbringt, ziel- und anspruchslos durchs Leben irrt, Beatles hört (darum der Titel) und sich schließlich in Kizunes Freundin Naoko verliebt. Ich habe selten – vielleicht nie – eine Liebesgeschichte so frei von Kitsch und Klischees gelesen, was vor allem daran liegt, dass Autor Murakami sich seinen Figuren mit grenzenlosem Respekt und Einfühlsamkeit nähert, und hoffe so sehr, dass sich das auch in der Verfilmung widerspiegelt. In Deutschland kommt der Film unter dem (doofen und gar nicht treffenden) Titel NAOKOS LÄCHELN am 30. Juni 2011 in die Kinos. Weiterlesen


Cruel Intentions (1999)

Moral: Ein altbekanntes, womöglich altbackenes, oftmals religiös konnotiertes, dennoch höchst wandelbares, weil abstraktes und der heutigen Gesellschaft zunehmend fremdes Prinzip; zu letzterem Schnellschluss könnte die oberflächliche Betrachtung von CRUEL INTENTIONS führen, übersehe man unter anderem die Tatsache, dass der Film, dessen deutscher Titel EISKALTE ENGEL doch allzu sehr nach billigem Erotikschund klingt, auf dem 1782 veröffentlichten Roman „Les Liaisons dangereuses“ von Laclos basiert, dessen Geschichte Autor und Regisseur Roger Kumble lose in die Gegenwart überträgt, aus französischen Adligen gelangweilte, verzogene New Yorker Upper-Class-Teens macht, die sich in ihren amoralischen Liebschaften verstricken. Weiterlesen


Game of Thrones 1.01 – Winter is Coming

Sicherlich ist es nicht ganz abwegig, darauf hinzuweisen, dass GAME OF THRONES, Adaption von George R. R. Martins Buchreihe „A Song of Ice and Fire“ und nach deren erstem Band benannt, ohne die im Fahrwasser von THE LORD OF THE RINGS enorm gestiegenen Popularität des Genres Fantasy wohl niemals das Licht der Fernsehbildschirme erblickt hätte. Davon jedoch auf Parallelen zwischen J. R. R. Tolkiens Urwerk heroischer High Fantasy und Martins düsterem Opus zu schließen wäre verfehlt, denn das 1996 erstmals in Buchform erschienene GAME OF THRONES erwies sich schnell als wegweisend für eine vollkommen andere Art der Fantasy: Düster und ungewöhnlich realistisch ist der Roman gestimmt; ein Erzählton, den die Produzenten David Benioff und Dan Weiss in der Pilotfolge WINTER IS COMING sehr treffend umsetzen. Weiterlesen


Game of Thrones 1.01 – Preview

Am 17. April, also in nicht einmal mehr zwei Wochen, erfährt GAME OF THRONES, die HBO-Adaption von George R. R. Martins “A Song of Ice and Fire”, seine US-Premiere. Ungeduldige wie ich haben allerdings jetzt schon die Gelegenheit, mit dieser knapp 14-minütigen Preview einen Blick in den Pilotfilm der Serie zu werfen, und was ich da sehe, gefällt mir sehr. “… and winter is coming!” Weiterlesen


Revolutionary Road (2008)

In seinem Spielfilmdebüt und Meisterstück AMERICAN BEAUTY präsentierte Regisseur Sam Mendes einst ein vordergründig mustergültiges Vorstadtehepaar, um an dessen zerbröckelnder Ehe den American Way of Life in perfider Gründlichkeit zu demontieren. Mit REVOLUTIONARY ROAD kehrt Mendes in jene spießbürgerlichen amerikanischen Vorstädte zurück, doch statt hintergründiger Satire präsentiert er diesmal erdrückendes Drama, zerstörte Träume und einen Albtraum ohne Ausweg und zeigt damit, ob nun bewusst oder nicht, einen deprimierenden Gegenentwurf zu Camerons TITANIC, dessen einstiges Traumpaar Kate Winslet und Leo DiCaprio hier erneut gemeinsam vor der Kamera steht, als Mr. und Mrs. Wheeler, deren Ehe an Alltäglichkeit und Entfremdung scheitert. Weiterlesen


The King’s Speech (2010)

Ganze 335 Jahre ist es her, seit Thomas Jefferson die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika aufsetzte und die ehemaligen Kolonien sich damit von der britischen Monarchie befreiten. Über drei Jahrhunderte, und doch schauen die Amerikaner immer noch gerne, vielleicht sogar mit einer gewissen Nostalgie auf ihre loyal-royalen Tage zurück, zumindest gilt das für die Traumfabrik Hollywood, die gerade bei der Verleihung ihres vorgeblich wichtigsten Filmpreises, der Oscars, der englischen Königsfamilie nur zu gerne gedenkt. Judi Dench genügte 1996 ein siebenminütiger Auftritt in SHAKESPEARE IN LOVE, um die Trophäe einzuheimsen, zuletzt war es 2007 Helen Mirren als THE QUEEN. Nun, 2011, durfte Colin Firth für THE KING’S SPEECH die Trophäe in Empfang nehmen – als stotternder König George VI. Weiterlesen


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