Archiv des Autors: Dr. Borstel

Intouchables (2011)

Das Kino als Fluchtpunkt aus der Realität – keine völlig neue Perspektive; insofern befindet sich INTOUCHABLES in bester Gesellschaft. Es ist bezeichnend für die französische Volksseele, dass die in Deutschland unter dem selten blöden Titel ZIEMLICH BESTE FREUNDE laufende Komödie beim Nachbarn im Westen zum bis dato zweiterfolgreichsten film français aller Zeiten avancierte, ein Film, der nur wenige Jahre nach den Unruhen in den Pariser Banlieues die Unterschiede zwischen (schwarzer) Unterschicht und (weißer) Oberschicht so entpolitisiert, gar banalisiert darstellt, wie man es hierzulande keinem Regisseur durchgehen lassen würde. Im Erfolg von INTOUCHABLES manifestiert sich, in Zeiten einer ungewissen Moderne samt verlorener Triple-A-Bestnoten, ein Heile-Welt-Bedürfnis, das dabei auch in die deutschen Kinos strahlen dürfte, denn das Wunderliche ist: INTOUCHABLES ist kein schlechter Film, bei weitem nicht. Weiterlesen


This Must Be The Place (2011)

„My life is just fine“, sagt er in einem Tonfall, der es schwierig macht zu entscheiden, ob er sich genau das einzureden versucht oder wirklich davon überzeugt ist. Denn Cheyenne, von Sean Penn denkwürdig bis preisverdächtig verkörperter Protagonist in Paolo Sorrentinos Not-quite-Roadmovie THIS MUST BE THE PLACE, mangelt es nicht an Grund zum Trübsinn, den er am Liebsten mitsamt seinen widerspenstigen Haarstränen aus seinem Blickfeld pusten würde, während eine geradezu kindliche Verletzbarkeit aus seinem Robert-Smith-like bleich geschminkten Gesicht in die Kamera starrt. Doch der alternde Rockstar im Ruhestand hat eine Aufgabe, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben: Er muss einen untergetauchten Nazi-Kriegsverbrecher finden. Weiterlesen


Melancholia (2011)

Die Welt geht unter, das Licht an und ein Raunen durch den Saal. Ich habe noch nie eine auch nur annähernd so merkwürdige Stimmung in bzw. nach einer Kinoverführung erlebt; als hätte das Publikum beinahe Angst, wieder in die graue Wirklichkeit entlassen zu werden, die uns Dänemarks Enfant terrible Lars von Trier mit seinem Film gewordenen Nihilismus MELANCHOLIA gerade so herrlich madig gemacht hat, und tatsächlich fällt es schwer, wieder zum Alltag überzugehen, ohne dabei ständig die überwältigenden Bilder vor Augen zu haben, die von Triers ansonsten durchaus streitbares Machwerk mit sich bringt. Weiterlesen


Trailer: The Swell Season

Nein, der bärtige Mann im Trailer ist nicht Joaquin Phoenix in Neukostümierung: Glen Hansard spielte und sang 2007 gemeinsam mit Markéta Irglová in ONCE, einer der schönsten Liebesgeschichten der jüngeren Vergangenheit, die auch nach Drehschluss weiterging: Die beiden wurden ein Paar, gründeten gemeinsam eine Band, THE SWELL SEASON, und gingen auf Tour. Die Dokumentation begleitet die Oscar-Gewinner (für den fabelhaften Song “Falling Slowly”) über einen Zeitraum von drei Jahren, und hey, wir lieben die beiden, was kann da noch schief gehen? Vermutlich wird der Film mehr Gefühl als Information liefern, aber damit kann ich gut leben, solange der Soundtrack stimmt. Deutschland-Release ungewiss. Weiterlesen


Ich bin Jacks Fight Club

Dem ein oder anderen wird es nicht entgangen sein: Es ist momentan etwas still geworden um Of Bastards And Dwarves. Ich genieße es in letzter Zeit durchaus, Filme anzuschauen, ohne schon währenddessen im Kopf das zugehörige Review zu formulieren, auch wenn es mir nach wie vor Spaß macht, über Filme zu schreiben, wenn sich ein passender Anlass bietet. Ein solcher war die Moviepilot-Aktion Lieblingsfilm, für die ich prompt in die Tasten griff, um ein paar Zeilen zu einem meiner All Time Favorites zusammenzuzimmern, und da das Resultat nicht nur der Jury, sondern auch mir gefallen hat, bin ich so frei, den Text auch hier zu posten. Film ab.

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Film-ABC

Der freundliche Don von nebenan hat mir eine kleine Leckerei aufs Auge gedrückt, um sicher zu stellen, dass das Blog nicht komplett verhungert – gut mitgedacht. Konkret geht es, wie der Titel schon andeutet, um ein Film-Alphabet: Ein Film für jeden Buchstaben, vorzugsweise natürlich cineastische Erzeugnisse, die man auch guten Gewissens weiterempfehlen kann, und dazu vielleicht den ein oder anderen nicht ganz so bekannten, damit der geneigte Leser sich auch die ein oder andere Inspiration abholt. Gesagt, getan. Weiterlesen


Nick & Norah’s Infinite Playlist (2008)

Wie verfilmt man einen Roman, der sich zu neunzig Prozent aus dem bemitleidenswerten Innenleben seiner Protagonisten zusammensetzt? Im Optimalfall, sollte festgehalten werden, gar nicht. Fühlt man sich nun doch dazu gezwungen, so ist man gut damit beraten, dieses Gefühlsleben nach außen zu stülpen – oder aber man wählt den einfachen Weg und verwandelt die mit einem eher stillen, gesetzten Humor gesegnete Vorlage in eine laute, bisweilen auch überspitzte Teen-Comedy und drückt ihr den seit einigen Jahren so beliebten Indie-Stempel samt zugehörigem Soundtrack und passendem Hauptdarsteller auf; fertig ist NICK & NORAH’S INFINITE PLAYLIST. Eventuelle rudimentäre Ähnlichkeiten mit dem Roman von Rachel Cohn und David Levithan werden wohlwollend in Kauf genommen.

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Game of Thrones – Season 1

Ich habe bisher selten großes Interesse an den Tag gelegt, galt es, den Entstehungsprozess eines Filmes oder einer Serie zu verfolgen; sollte das Endprodukt doch für sich sprechen. Eine Einstellung, die sich für die HBO-Produktion GAME OF THRONES nicht aufrecht erhalten ließ, immerhin bin ich bekennender Anhänger der Vorlage „A Song of Ice and Fire“ aus der Feder des Amerikaners George R.R. Martin, der in bisher vier Bänden auf großartige Weise historischen Realismus und Charakterdrama mit phantastischen Elementen zu verbinden verstand. Nicht umsonst wird die Reihe oft als einer der besten Vertreter des Genres gehandelt. Entsprechend groß waren die Erwartungen an die Produzenten Benioff und Weiss sowie ihren illustren Cast. Weiterlesen


Sunshine (2007)

Als erste „Kränkung der Menschheit“ bezeichnete Sigmund Freund das im sechzehnten Jahrhundert von Nikolaus Kopernikus aufgestellte heliozentrische Weltbild, das die irdische Sonne in den Mittelpunkt des Kosmos rückte, in welchem sich bislang der Mensch wähnte. In SUNSHINE schicken Danny Boyle und Alex Garland eine Gruppe von Astronauten auf eine Mission ebendiesem Zentrum entgegen: Im Jahre 2057 droht die Sonne zu erlischen, was Leben auf der Erde unmöglich machen würde. Die letzte Hoffnung der Menschheit liegt in der Zündung einer Bombe, welche die Kernfusion des Sterns erneut entfachen soll – transportiert von der Icarus II, deren Reise ins Herz des Sonnensystems für die acht Besatzungsmitglieder zu einer Konfrontation mit der Frage wird, inwieweit der Mensch sich in die Schöpfung einmischen darf und sollte. Weiterlesen


Trailer: Sympathy for Delicious

Ihr kennt Mark Ruffalo wahrscheinlich aus ZODIAC oder SHUTTER ISLAND, zuletzt war er in THE KIDS ARE ALL RIGHT vor der Kamera zu sehen (und gewann diverse Preise). Für SYMPATHY FOR DELICIOUS stellt er sich auch dahinter, um die Geschichte eines querschnittsgelähmten DJs (Christopher Thornton) zu erzählen, der die Gabe besitzt, jeden Menschen zu heilen – außer sich selbst. Trotz Applaus in Sundance (Special Jury Price für Regisseur Buffalo) und großer Namen (Orlando Bloom, Juliette Lewis) ging SYMPATHY FOR DELICIOUS in den USA wohl irgendwie unter; angeblich soll er es im Herbst in die deutschen Kinos schaffen. Nach mehrfacher Sichtung des Trailers sage ich: Wäre schade, wenn nicht. Weiterlesen


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